Wie Alkohol ein erfolgreiches Sportlerleben zerstören kann.


Auf Einladung und Kosten der Innung für Klempnerei-, Sanitär-, Heizung- und Klimatechnik Rastatt/Baden-Baden/Bühl und in Absprache mit dem Fachlehrer Eberhardt Brach gestaltete Frank Milbich eine besondere Unterrichtsstunde an der Gewerbeschule Bühl.




Bühl (hr) - Wir reden heute Klartext, war die erste Ansage von Frank Milbich an die 30 Schüler im 1. Berufsschuljahr zum Anlagenmechaniker Sanitär Heizung Klima an der Gewerbeschule Bühl, der sich zuvor als Alkoholiker geoutet hatte, der seit 10 Jahren trocken ist. 10 Jahre trockener Alkoholiker zu sein bedeutet, um jede Torte, Sauce oder Getränk einen großen Bogen zu machen, wenn nur den Verdacht besteht, dass sie mit Alkohol abgeschmeckt wurden, präzisierte er sein zehnjähriges „trockenes Leben“.

Lebhaft diskutierte Frank Milbich (www.frankmilbich.de) mit den Schülern über seine bisher überstandene 25-jährige Alkoholsucht, an deren Ende er täglich drei Flaschen Schnaps gebraucht und sein Tagesablauf aus Saufen, Erbrechen oder schlafen bestanden habe. 15 Arme gingen hoch, als er in den Raum fragte, wer schon mal einen Blackout nach einer durchzechten Nacht hatte! Diese wiederum wollten von ihm wissen, wie und warum er den Absprung geschafft habe, ob er keine Partnerin hatte und wie es so weit kommen konnte.

„Den Absprung habe ich geschafft, weil meine Mutter mich zum Arzt geschleppt hat, dieser mir nach einer eingehenden Untersuchung eröffnete, dass ich noch maximal 6 Wochen zu leben habe, wenn ich nicht sofort mit einer Entziehung beginne. Ich könne sofort einen Platz in eine Entzugsklinik antreten, was ich entrüstet mit der Begründung ablehnte, ich lasse sich nicht 6 Monate wegsperren! Resigniert sagte mein befreundeter Arzt darauf den Schlüsselsatz „dann muss Dein mittlerweile fünfjähriger Sohn bei der Einschulung den Mitschülern sagen, mein Vater hat sich zu Tode gesoffen! Dieser Satz habe ihn so aufgerüttelt, dass er ohne medizinische Hilfe einen kalten Entzug durchgezogen hat. Es ist unbeschreiblich, wie sich mein Körper in dem folgenden Vierteljahr gegen den Entzug wehrte. Durchgehalten habe ich nur, dank der täglichen Besuche bei den Anonymen Alkoholikern in Karlsruhe. Dort habe ich auch erfahren, dass meine Alkoholsucht nichts – wie ich befürchtet hatte - mit meiner mangelnden Schulbildung als Volksschüler zu tun hatte. Bei den Anonymen Alkoholikern habe ich Professoren und Doktoren kennen gelernt, die wie ich, alkoholsüchtig waren“, beschrieb er seinen Ausstieg.

Weiterhin bekannte offen: „Nein, eine Entschuldigung für meine Alkoholabhängigkeit habe ich nicht zu bieten. Bevor der Alkohol die Regie über mein Leben übernahm, hatte ich eine behütete Kindheit, war sportlich  als Handballer in der südbadischen Auswahl erfolgreich, als Energieanlagenmechaniker beschäftigt, in einer festen Beziehung und stolzer Vater eines Sohnes“.

Rückblickend musste er zugeben, begonnen hat alles im Alter von 15 Jahren im Verein. Jeder Sieg beim Fuß- oder Handball wurde mit einem „Humpen“ gefeiert. Dieser war anfänglich mit Spezi gefüllt. Später war es dann  Cola-Bier, Bier, Weinschorle, Wein und Asbach gedopt. Da es immer so war, dass derjenige, bei dem der leere Humpen ankam, den nächsten zahlen musste, hatte sein jeweiliger Nachbar immer schlechte Karten. Egal, wie viel noch im Humpen war, er habe ihn leer getrunken. „Die Kumpels applaudierten, ich dachte ich bin der Coolste - heute weiß ich, ich war der Verlierer“.

Obwohl die „Abstürzte“ immer öfter kamen, er oft neben ihm unbekannten Frauen aufgewacht ist, konnte er viele Jahre seine Alkoholsucht kaschieren. In der Halbzeitpause schnell einen Flachmann reingezogen, morgens statt Kaffee zwei drei Schnäpse getrunken und schon wurde das Zittern weniger, ging es ihm besser. Langsam schleichend habe der Alkohol sein Leben bestimmt. „Sein“ Alkohol war ihm lieber als ein Probetraining bei einem Handball-Bundesligaverein. Trotz Einladung und Aussicht auf einen Profivertrag, hat er lieber einen getrunken, als nach Göppingen zu fahren.

Ob es keine Warnungen gegeben habe, wollte ein Schüler wissen. „Warnzeichen gab es genug. Als ich meinen Arbeitsplatz verloren habe, zu keiner Party mehr eingeladen wurde, meine Sportkameraden sich darüber beklagten, dass ich nach Alkohol rieche, morgens durch das viele Erbrechen Blut spukte, mitten in der Wohnung auf dem Boden mit durchnässter Hose aufwachte oder meinen einjährigen Sohn auf dem Parkplatz vor einem Supermarkt vergessen habe. Normal denkende Menschen hätten darauf reagiert. Mich hat meine langjährige Partnerin verlassen. Weil ich alle Jobs in den Sand gesetzt hatte musste ich von Harz IV leben“, räumte er offen ein. Wie er davon die zuletzt drei Flaschen Schnaps täglich finanzieren konnte, wollten die Schüler wissen. „Wie wohl, durch Diebstähle in diversen Supermärkten“, so seine nüchterne Antwort. Die Fragen zur Nikotinsucht oder andere Drogen kann ich nicht beantworten, beides habe ich nie versucht“.

Milbich geht offen mit seiner ehemaligen Alkoholsucht um, hat wieder einen regelmäßigen Kontakt zu seinem mittlerweile 15-jährigen Sohn, hat sein Leben wieder fest in die Hand genommen und wird wieder von den Freunden eingeladen. „Dankbar bin ich, dass ich trotz meiner Sucht viel Glück in meinem Leben gehabt habe. Den Führerschein habe ich nie verloren, sei nie bei seinen Alkohol-Diebstählen erwischt worden, habe keine für Alkoholiker typischen epileptischen Anfälle bekommen und es sind bis heute keine gesundheitliche Folgen zurück geblieben“. Milbich ist fest davon überzeugt, dass er zu den bundesweit drei Prozent trockenen Alkoholikern gehört, die es lebenslang ohne Rückfall schaffen. Hier helfen ihm die wöchentlichen Besuche bei den Anonymen Alkoholikern in Karlsruhe.