Von der fächer- zur kundenauftragsorientierten Gesellenprüfung



Wo sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen, am Ende eines Seitentals von Ramsbach (zwischen Appenweier und Oppenau), haben sich am 11. und 12. Januar 2013 die Mitglieder des Gesellenprüfungsausschusses Höhenhotel & Restaurant Kalikutt zu einer zweitägigen Informationsveranstaltung getroffen. Obermeister Hans-Albert Fritsch begrüßte die in den letzten Jahren erfreulicherweise stark verjüngte Prüfungskommission. Zu der Veranstaltung habe die Innung eingeladen, um die Gesellenprüfung zu vereinheitlichen und den Kontakt der Kommissionsmitglieder untereinander zu fördern.

Michael Kenz  und Stefan Huck haben die Veranstaltung angeregt, da es bei den letzten Gesellenprüfungen zu Irritation in der Auslegung der neuen Prüfvorschriften, die vom bekannten fächerorientierten Fragen-Antworten-Verfahren auf Kundenaufträge umgestellt wurde, gekommen ist. Diese auszuräumen und gestärkt die kommenden Gesellenprüfungen angehen zu können, waren die Erwartungen, die Kenz und Huck in ihrer Begrüßung ansprachen. Sie waren froh, dass sie mit Rolf Bodemer einen Referenten gewinnen konnten, der als Vorsitzender Meisterprüfungskommission der Handwerkskammer Karlsruhe die Umstellung vom Fächer- zum fallorientierten Handeln schon bei der Meisterprüfung erfolgreich umgesetzt hat. 



Bodemer betonte in seinen einführenden Worten, dass der Erfahrungsaustausch ein wichtiger Punkt der zweitägigen Veranstaltung ist, weshalb er für den abendlichen Gedankenaustausch das Kaminzimmer habe richten lassen. Er freute sich, dass mit Erwin Kühn und Jürgen Jerger zwei Fachlehrer der Gewerbeschule Bühl ihre Erfahrungen und Wissen in die Informationsveranstaltung einbringen. In seinem Vortrag ging er auf die aktuelle Entwicklung bei der Gesellenprüfung, die Rechte und Pflichten der Mitglieder Prüfungskommission und die rechtlichen Grundlagen des Fachgesprächs ein. Erwartungsgemäß hat das Fachgespräch – das die frühere mündliche Prüfung ersetzt - den meisten Diskussionsstoff geliefert. Die Umstellung vom Frage-Antwort-Spiel bei der früheren mündlichen Prüfung auf das Fachgespräch ist auch für die Prüfer eine Herausforderung. Das Fachgespräch, das sich an die Abarbeitung des „Kundenauftrags“ anschließt, hat einen hohen Stellenwert, so Bodemer. Aus seiner langjährigen Erfahrung mahnte er eindringlich, dass ein rechtlich einwandfreies Fachgespräch nur zu einer objektiven Bewertung führen kann, wenn jeder der drei Prüfer sich ein eigenes Urteil bildet und sie den Prüfling bei der Erledigung des Kundenauftrags beobachtet haben. Außerdem müssen sie ihre Bewertung so dokumentieren, dass im „Streitfall“ auch nach Wochen noch nachvollzogen werden kann, warum die Entscheidung so gefallen ist. Mit seinen Ausführungen, die immer wieder von Beispielen aus der Praxis untermauert waren, hat Bodemer genügend Stoff für angeregte Diskussionen am flackernden Kamin geliefert. Die Informationsveranstaltung wurde am Samstag mit Beiträgen zu den rechtlichen Grundlagen des Fachgesprächs, der Rolle der Prüfer, Beispielen zur Gesprächsführung und einer möglichen Bewertung fortgesetzt. Michael Kenz zog eine positive Bilanz, dankte dem Referenten und stellte eine Fortsetzung, insbesondere zu praktischen Beispielen in Aussicht.