Frank Milbich



Damals dachte ich, ich bin der Coolste - heute weiß ich, ich war der Verlierer

Auf Einladung der Innung für Bauklempnerei- Sanitär- Heizung- und Klimatechnik Rastatt/Baden-Baden/Bühl diskutierte Frank Milbich (www.frankmilbich.oyla.de) mit Schülern im 3. Lehrjahr zum SHK Anlagenmechaniker an der Gewerbeschule Bühl über seine seit siebeneinhalb Jahren überstandene 25jährige Alkoholsucht.

In einer lockeren Atmosphäre entwickelte sich ein munteres Frage- und Antworte Spiel. So wollte der Referent von den 17 bis 27 Jährigen Schülern wissen, welche Erfahrungen sie mit unmäßigem Alkoholgenuss gemacht haben. Diese wiederum interessierte brennend, wie es zu seiner Alkoholsucht gekommen ist und wie er den Absprung geschafft hat.

Nein, eine Entschuldigung für seine Alkoholabhängigkeit hat er nicht, bekannte er offen. Bevor der Alkohol die Regie über sein Leben übernahm, hatte er eine behütete Kindheit, war sportlich  als Handballer in der südbadischen Auswahl erfolgreich, als Energieanlagenmechaniker beschäftigt, in einer festen Beziehung und stolzer Vater eines Sohnes.

Rückblickend muss er zugeben, begonnen hat alles im Alter von 15 Jahren  im Verein. Nach einem sportlichen Erfolg wurde jeder Sieg mit einem „Humpen“ gefeiert. Anfänglich war dieser mit Spezi, dann mit Cola-Bier, es folgte Bier und Wein. Da es immer so war, dass derjenige, bei dem der leere Humpen ankam den nächsten zahlen musste, hatte sein rechter Nachbar immer schlechte Karten. Egal, wie viel noch im Humpen war, er habe ihn leer getrunken. Das fand er cool, seine Kumpels haben applaudiert. Obwohl die „Abstürzte“ immer öfter kamen, er oft neben ihm unbekannten Frauen aufgewacht ist, konnte er viele Jahre seine Alkoholsucht kaschieren. In der Halbzeitpause schnell einen Flachmann reingezogen, morgens statt Kaffee zwei drei Schnäpse trinken und schon wurde das Zittern weniger, ging es ihm besser. Langsam schleichend habe der Alkohol sein Leben bestimmt. „Sein“ Alkohol war ihm lieber als ein Probetraining bei einem Bundesligaverein. Trotz Einladung und Aussicht auf einen Profivertrag, hat er lieber einen getrunken, als nach Göppingen zu fahren. 

Ob es keine Warnungen gegeben habe wollte ein Schüler wissen. Warnzeichen gab es genug. Als er seinen Arbeitsplatz verloren hat, zu keiner Party mehr eingeladen wurde, seine Sportkameraden sich darüber beklagten, dass er nach Alkohol rieche, er morgens durch das viele Erbrechen Blut spukte, mitten in der Wohnung auf dem Boden mit durchnässter Hose aufwachte oder seinen einjährigen Sohn auf dem Parkplatz vor einem Supermarkt vergessen hat. Normal denkende Menschen hätten darauf reagiert. Ihn hat seine langjährige Partnerin verlassen, weil er alle Jobs in den Sand gesetzt hat, musste er von Harz IV leben. Wie er davon die zuletzt drei Flaschen Schnaps täglich finanzieren konnte, wollten die Schüler wissen. Wie wohl, durch Diebstähle in diversen Supermärkten, so seine nüchterne Antwort. Fragen zu Nikotinsucht oder andere Drogen könne er nicht beantworten. Beides habe er nie versucht.

Den Absprung habe er geschafft, weil seine Mutter ihn zum Arzt geschleppt hat, dieser ihm nach einer eingehenden Untersuchung eröffnete, dass er noch maximal 6 Monate zu leben habe, wenn er nicht sofort mit einer Entziehung beginne. Er könne sofort einen Platz in eine Entzugsklinik antreten. Er lehnte dies ab. Eine Entziehungskur brauche ich nicht. Ich lasse mich nicht 6 Monate wegsperren! Resigniert sagte sein Arzt darauf, dass dann sein mittlerweile fünfjähriger Sohn bei der Einschulung halt sagen muss, dass sich sein Vater zu Tode gesoffen hat. Dies war sein Schlüsselsatz. Dieser habe ihn so aufgerüttelt, dass er ohne medizinische Hilfe einen kalten Entzug durchgezogen hat. Es ist unbeschreiblich, wie sich sein Körper in dem folgenden Vierteljahr gegen den Entzug gewehrt hat. Durchgehalten habe er nur, dank der täglichen Besuche bei den Anonymen Alkoholikern in Karlsruhe. Dort habe er auch erfahren, dass seine Alkoholsucht nichts – wie er befürchtet hatte - mit seiner mangelnden Schulbildung als Volksschüler zu tun. Bei den Anonymen Alkoholikern hat er Professoren und Doktoren kennen gelernt, die wir  er alkoholsüchtig waren. 

Obwohl er jetzt fünfeinhalb Jahre trocken ist, weiß er, dass jeder Tropfen Alkohol seinen Rückfall bedeuten kann. Nur mal ein Bierchen, das geht nicht. Er kennt keinen, der dies geschafft hätte. ER machet um alles einen großen Bogen. Keine Torte, keine Sauce und kein Getränk, das mit Alkohol abgeschmeckt wurde. Bei einem Bekannten hat ein Glas Sekt zu Silvester ausgereicht. Er ist noch in der gleichen Nacht zur  Tankstelle gefahren und hat sich mit Schnaps „abgeschossen“. Er geht offen mit seiner ehemaligen Alkoholsucht um, hat wieder einen regelmäßigen Kontakt zu seinem Sohn, hat sein Leben wieder fest in die Hand genommen und wird von den Freunden wieder eingeladen. Dankbar sei er, dass er viel Glück in seinem Leben gehabt hat. Den Führerschein habe er nie verloren, er sei nie bei seinen Diebstählen erwischt worden, er habe keine für Alkoholiker typischen epileptischen Anfälle bekommen und es sind bis heute keine gesundheitliche Folgen zurück geblieben. Er ist aber fest überzeugt, dass er zu den bundesweit drei Prozent trockenen Alkoholikern gehört, die es lebenslang ohne Rückfall schaffen. Hier helfen ihm die wöchentlichen Besuche bei den Anonymen Alkoholikern.

Bei der abschließenden Feedback-Runde zeigten sich die Jugendlichen von der schonungslosen Offenheit beeindruckt. Bei einigen weckte es Erinnerungen zu ähnlichen Fällen in der Verwandtschaft, andere zeigten sich nachdenklich. Sie werden sich mit Sicherheit bei der nächsten Fete an seine Worte erinnern. Die Jugendlichen ermunterten Frank Milbich, seine Form der Information für Jugendliche fortzusetzten. Diese würde sich sehr positiv von den Präventionsvorträgen anderer Einrichtungen abheben.

Eine sehr positive Bilanz zog auch der zuständige Fachlehrer Eberhard Brach. In der Nachbereitung der Diskussion zwischen Herrn Milbich und den Schülern der 1. und 2. Klasse zeigten sich die Schüler sehr beeindruckt. Er dankte der SHK-Innung, dass sie in diesem Jahr allen in der Ausbildung zum SHK Anlagenmechaniker befindlichen Jugendlichen die Diskussion zur Alkoholprävention mit Frank Milbich ermöglicht hat.