Innung Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik richtete an der Gewerbeschule Bühl für angehende Anlagenmechaniker den Kurs „Moderne Umgangsformen“ aus / Obermeister Hans-Albert Fritsch: „Wir brauchen rundum gute Fachleute. Da müssen wir frühzeitig was tun!“

Bühl (wv). – Gasleitungen wurden keine gelötet und auch keine Wasserrohre mit Pressfittings verbunden. Die angehenden Anlagemechaniker Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik an der Gewerbeschule Bühl hatten einen Tag Unterricht der ganz anderen Art. Ein Intensivkurs „Moderne Umgangsformen“ brachte ihnen nahe, wie geht man mit Kunden, Kollegen und Chefs um, wie agiert man am Telefon und im persönlichen Kontakt.

25 Auszubildende aus dem Bereich der Innung Sanitär-Heizung-Klima (SHK) Rastatt/Baden-Baden/Bühl besuchen derzeit die Bühler Berufsfachschule, von Eberhard Brach als Klassenlehrer betreut. Diese einjährige Vollzeitschule gilt als erstes Lehrjahr der dualen Ausbildung und wurde in Zusammenarbeit zwischen Innung und Schule initiiert und verwirklicht. Sie bewähre sich bereits im vierten Jahr, und das hervorragend, zeigten sich Innungsobermeister Hans-Albert Fritsch und Martin Schilli („eine schlaue Lösung vor Ort“), Schulleiter der Gewerbeschule Bühl, in ihrem Willkommen überzeugt. Im Berufsfachschuljahr sind die Lehrlinge durch einen wöchentlichen Praktikumstag in ihren Ausbildungsfirmen tätig. Überdies arbeiteten die Auszubildenden 50 Prozent der Schulferien in den Betrieben. All dies schaffe schnell Bezug zur Lebenswirklichkeit, so Fritsch.

„Wir wollen unseren guten Berufsnachwuchs noch besser machen, und wir wollen frühzeitig damit beginnen“, erläuterte Fritsch die Intention der Innung, den Pilotkurs „Moderne Umgangsformen“ zu initiieren. übrigens nur einer ihrer „Mosaiksteine“ für eine qualitativ hohe Ausbildung. Die Innung habe für die Finanzierung des Kurses gern die Mittel bereitgestellt, denn nicht nur das Fachliche der Mitarbeiter zähle, sondern auch deren Umgang mit den Kunden.

Jeweils die Hälfte der SHK-Auszubildenden drückte an zwei aufeinander folgenden Donnerstagen die Schulbänke. Mit Trainingsleiterin Dr. Ursula Degen befassten sie sich im „Knigge-Kurs“ (flapsig so bezeichnet), wie höfliches Benehmen das Miteinander der Menschen erleichtert – übrigens ganz im ursprünglichen Sinne des Standardwerks des Adolf Freiherrn von Knigge (1752-1796).    

Kritisch nahmen die jungen Menschen im Kurs ihre eigenen Vorstellungen von gutem und schlechtem Benehmen unter die Lupe. Als schwierig stellt sich immer wieder heraus, dass der Umgang junger Menschen untereinander (einschließlich Jugendsprache) ganz anders ist, als das im Beruf förderliche Benehmen. Die Kursteilnehmer fragten sich, was mache ich schon gut, was ist verbesserungsbedürftig? Sie lernten, wie man dem Kunden mitteilt – auch ohne Worte, dass man ihm positiv gegenüber treten will. Das im Kurs Erreichte präsentierten drei Vierergruppen. Die erste Gruppe, Manuel, Michael, Jussuf und Nuri, agierte schon erstaunlich selbstbewusst. Letzterer bezeichnete das Seminar als sehr hilfreich, es habe auch wertvolle praktische Tipps zum Umgang mit Kunden vermittelt. Jussuf ergänzte, wichtig und neu sei für ihn gewesen, wie man Kunden, die aufgeregt oder gar aggressiv seien, in ein ruhigeres, sachlicheres Gesprächsklima lenken könne. 

Aus den Reflexionen der Kursteilnehmer war die Bandbreite des Diskutierten und Erarbeiteten herauszuhören: Gerade im Bereich Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik müsse man in die Wohnung der Kunden hinein, da gelte es besonders, Privatsphäre zu respektieren. Firmenmitarbeiter sollten den Klienten durch Lächeln und Körpersprache auch vermitteln: „Mein Beruf macht mir Spaß, und wir packen die Arbeit energisch an.“